Sprecherratsmodell in Methoden der Gruppenarbeit

Großgruppenmoderation im selbst organisierten Rhythmus
Ein Sprecherrat koordiniert in regelmässigem Rhythmus die Arbeit und Interessen von Kleingruppen und bringt alle die Gruppe betreffenden Themen offen ins Gespräch, bis konsensuale Entscheidungen getroffen sind.

Ausgangslage

Eine relativ große Gruppe als Anfangsstruktur und immer mehr Anfragen von Studierenden, die mit dem Hintergrund eines organisatorischen Engpasses der Hochschule ankamen ... bei der Aufgabenstellung, Methoden der Gruppenarbeit praktisch und theoretisch kennenzulernen. Im Grundstudium gehört dabei für viele Studierende die erste bewusste Erfahrung einer - trotz professioneller Anleitung - selbst gesteuerten Gruppe dazu, und ein oft noch vom Schulverhalten geprägtes Teilnehmerreaktionsschema.

These

In seibst organisierten Gruppen entsteht relativ schnell eine informelle Hierarchie, die in kleinen pragmatisch arbeitenden Verbänden die Verantwortung abbildet, in mittelgrossen Zusammenhängen schwerfällig und anfällig wird für informelle Kompetenz- und Machtstrukturen,
in Großgruppen entstehen Interessensgruppen und Seilschaften, Parteien und Untergrundgeflechte von Interessen.

Ein gut gelernter und organisierter Sprecherrat kann die Interessen aller Beteiligten einbringen und offen kommunizieren. Das kann im Idealfall zu forschenden und Selbsterfahrungs- Effekten führen, die emanzipatorisch wirksam sind.

Mein Anleiter-Hintergrund

Erinnerung an Selbstorganisationsform der Bezugsgruppen[[#sdfootnote1sym|1]] in der Friedensbewegung bis 1983: „Prominentenblockaden[[#sdfootnote2sym|2]]“ in Mutlangen[[#sdfootnote3sym|3]]:
Alle Beteiligten hatten in einem Zelt-Camp mit etwa 1200 Teilnehmenden jederzeit alle für sie wichtigen Informationen, indem sie in Bezugsgruppen austauschten und die Information im Sprecherrat (ergänzt mit speziellen Funktionen wie Polizei-Kontakt, Rechtsanwälte, Pressegruppe, Versorgung, Organisation etc.)
Im Vorfeld war, mit den Erfahrungen anderer Friedenscamps und auf der Reflexion und dem internationalen Austausch vieler solcher Aktionen an Atomanlagen, Baustellen und Kasernen, eine Struktur entworfen und in einem Camp ein geübt, die dann die Prominenten aufnahm: Schriftsteller wie Heinrich und Annemarie Böll, das Ehepaar Jens, Musiker und vielerlei Professoren, …. Friedensforscher wie Ruth und Robert Jungk, … [[#sdfootnote4sym|4]]

Grundlagen unserer damaligen Arbeit

Die Trainingskollektive für Gewaltfreie Aktion waren im Umfeld kirchlicher und sozialer Gruppen wie Studentengemeinden durch Trainer aus den Bürgerbewegungen der USA im Anti-Atomkraft und Bürgerrechtsbereich angeregt worden und hatten in allen grösseren Städten der BRD in den 70er Jahren Gruppen sowie regionale und bundesweite Treffen und Zusammenschlüsse. Sie erlernten und modifizierten die Arbeitsweisen der politischen Kommunikation und der Bürgerorganisation, begleiteten und trainierten Bürgerinitiativen und Friedensgruppen, übten herrschaftsfreie Arbeitsweisen und entwickelten nicht-repressive Umgangsformen wie sexuell gleichberechtigte Sprache und Umgangsform, was im Gegensatz zu unserer Erziehung ein weitgehender Entwicklungsschritt war, den die Gesellschaft erst weit später nachvollzog.

Aus Fehlern lernen: Ohne Sprecher und Moderation

Fehler machen dürfen versus[[#sdfootnote5sym|5]] professioneller Darstellung

Wir machten ein paar gezielte Fehler, um die Grenzen und Wirkungen sichtbar zu machen:
  • Laufen lassen eines Nachmittags ohne Sprecher- und Zeitvereinbarungen: Einige Männer sehen kein Problem, ein Großteil der jungen Frauen ist unsicher, vor allem unsere Teilnehmenden aus anderen Verhaltenskulturen verschwinden ganz aus der Beteiligung.
  • Der Vorschlag eines Biergartenbesuches endet mit einem Viertel der Teilnehmenden in einem Hotelgarten, in dem sich zwar ganz nett unterhalten wird, aber der Blick auf die verloren gegangen Teilnehmenden vermieden wird.

Sprecheraufgaben

kurz vorstellen
mitschreiben
kurz berichten

Moderationsgrundlagen

die Gruppe im Blick
ein zeitrahmen
ein ziel

Methoden der Großgruppenarbeit

Zukunftswerkstatt
Open Space
Forum-Theater
Gemeinschaften Organisieren Community Organizing

Rituale und Sicherheiten

Kulturelle Formen
Professionelle Formen
Verschiedenartigkeit der professionellen Kulturen:
Berufe, Hierarchien, Qualifikationen

[[#sdfootnote1anc|1]]Bezugsgruppen waren im Gegensatz zu Parteigruppen in Alltagsleben und Trainings auf gemeinsame positive gewaltfreie Aktionen vorbereitet und konnten sich in Alltagssituationen im Dorf oder im Stadtteil, in beruflichen Zusammenhängen oder in Verbänden wie Kirchen und Gewerkschaften bilden.

[[#sdfootnote2anc|2]]Zu diesen Blockaden waren nach zahlreichen Festnahmen und Strafgerichtsprozessen besonders prominente Personen des öffentlichen Lebens eingeladen worden, um das Öffentlichkeitsbild der chaotischen Friedenskämpfer zu durchbrechen.

[[#sdfootnote3anc|3]]Mutlangen war eine amerikanische Garnison im Schwäbischen, in der die Pershing-Raketen mit atomaren Sprengköpfen und einer Reichweite von etwa 120 km stationiert werden sollten. Ohne große Anreise hätten diese „den Vormarsch der Russen“ erst nach München oder Ulm gestoppt.

[[#sdfootnote4anc|4]]Von der Pressegruppe blieb anschließend einige Jahre die Pressehütte Mutlangen als Projekt der langfristigen Beteiligten erhalten und arbeitet in modifizierter Form bis heute, wie auch andere gewaltfreie Zentren langfristige Lebens- und Wohnprojekte wurden: Die Kurve Wustrow im Wendland (Gorleben, geplantes Atomlager, das Fränkische Friedensbildungswerk, alternative Tagungshäuser und im Prinzip die Grundlage der grün-nahen Stiftungen, die neben dem Partei-Aufbau aus vielen Basis-Initiativen entstanden und erst später durch Funktionäre der Parteiarbeit einverleibt wurden.

[[#sdfootnote5anc|5]]Versus meint im Sprachgebrauch eine Gegenüberstellung, hier ist es so / dort ist es anders
http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deration_Gewaltfreier_Aktionsgruppen
http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005236.html Bericht zur Promi-Blockade Mutlangen
http://dadaweb.de/wiki/Bezugsgruppe
http://www.trainingskollektiv.de
http://hpd.de/node/11875

Wo, wenn nicht hier: auf dem Alex?

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Diskussionsrunde auf dem Alex / Alle Fotos: Frank Navissi
BERLIN. (hpd) Zwei Stunden auf dem Alexanderplatz. Zwei Stunden, in denen gerungen wurde: Um den guten Umgang miteinander, um Entscheidungsfindung, und um Prozesse der Entscheidungsfindung, um ein Haltung gegenüber der Polizei, um das Überleben des Camps, um den Respekt gegenüber jeden einzelnen Menschen, sei er nun Student, arbeitslos, Banker oder Emo.