Dieser Artikel erschien posthum in einem Tagungsband der Smithsonian Institution zum Thema Cultural Drama: Saul Alinky

Modern Identities and Social Ferment

Der Tagungsband versammelt 14 Beiträge. Unter den Autoren befinden sich u. a. die Soziologen Peter L. Berger und Alain Tourraine sowie die Bürgerrechtler Ivan Illich und Vine Deloria jr. Dem Beitrag ist ein Nachruf aus der New York Times beigefügt, der anlässlich des Toides von Saul D. Alinsky im Jahre 1972 erschienen war.

Alinsky stellt in seinem Beitrag die These von der Notwendigkeit einer doppelten Revolution auf: einer materiellen und einer moralischen, geistigen. Er hebt hervor, dass sich der materielle Wohlstand einer breiten amerikanischen Mittelklasse in einem bemerkenswerten Maße verbessert habe. Deshalb sei in diesem Teil der Welt niemand mehr an einer Revolution nach sozialistischem Vorbild interessiert. Die Frage sei nun, woher denn die immer mehr um sich greifende moralische und geistige Verunsicherung komme.

Als Beispiele nennt er die zunehmende Umweltverschmutzung und die sinnlose Produktion von chemischen und nuklearen Waffen. Er nennt die idealistischen, politischen Vorstellungen der amerikanischen Linken, die nicht in der Lage seien, diese Probleme aufzugreifen. Er fordert eine realistische Wahrnehmung der Welt-wie-sie-ist und eine Überwindung derjalschen Moral" auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Er fordert die unbeirrte Fortführung des Kampfes für eine bessere Welt.

Er schließt mit Worten des irischen Dichters, Politikers und Nobelpreisträgers William Butler Yeats.
Es ist das letzte, was wir von Alinsky lesen.

On Tragic Joy

We begin to live when we
conceive of life as Tragedy and understand it to
be truly and persistently tragic.

The fortunate ones are those who recognize
with a strangejoy the terror of existence.

With a gaiety transfiguring all the dread,
they leam to love life, because it is life.


Über tragische Freude

Wir beginnen zu leben,
wenn wir das Leben als Tragödie begreifen und verstehen,
dass es wirklich und ständig tragisch ist.

Glücklich sind, die dem Terror der Existenz
mit außergewöhnlicher Freude begegnen.

Mit einer Fröhlichkeit,
die all den Schrecken verwandelt,
lernen sie das Leben zu lieben,
weil es Leben ist.