Rudel oder Schwarm? Hornisse oder Wespe?

Unsere Menschen- und Tierbilder
und die Assoziationen zu unserer Situation und Zukunft.
Die meisten Vergleiche und Beispiele, die Menschen aus dem Tierreich anführen, sagen mehr über sie selbst aus, als sie den Arten oder der Biologie gerecht werden.
Eine Bewegung, die zur Zeit sowohl künstlerisch als auch politisch unser Sozialverhalten anregen und per SMS, twitter und ähnlichem steuern möchte, dreht sich um den Schwarm als Bild für Selbstorganisation in der Natur: Bienen und Vögel sowie die Fische können es, aber kann der Mensch mehr als Sommerschlußverkauf und Urlaubsstau? Können wir Schwarm-Verhalten und lernen und was macht es mit uns?

Die Schwarm-Intelligenz und unsere Selbstorganisation
Wenn Tiere unterwegs sind, können sie sich in einer Art abstimmen, wie es der Mensch nur nach Training hinbekommt: Im Musik- oder Theaterspiel die eigene Situation und Rolle sehen und gleichzeitig die der Anderen, und dies aufeinander abstimmen: Das kommt beim Publikum als gelungenes Ensemble an. Ähnlich schwärmerisch blicken wir auf Vogelschwärme, wenn uns nicht Hitchcock in die Quere kommt, und Swimmy hat es bis in die Bilderbücher gebracht: Als kleiner Fisch den Schwarm organisieren, um nicht mehr Angst vor den großen Fischen haben zu müssen. Davon würden in unserer Situation auch viele träumen, mit einer ganzen Schar von Raubfischen in den Regierungen.

Der Mensch ist nicht nur ein Familien- und Herdentier, er ist auch Wolf und Rudeltier.
Das Leben scheint mir in unserer Gesellschaft nicht so sehr auf Schwärme angelegt, so gern ich das hätte, ich erlebe in Gesellschaft, Sport und Spiel mehr Rudel-Verhalten und das entsprechende Training, ohne daß die Varianten sehr bewußt gewechselt werden. Fußball als staatstragender Sport, die anderen Wettkämpfe zum Teil in MANNschaften, das Zusammenspiel des Rudels wird ständig geübt: Mannschaftskapitän und Leitwolf, bis zu den Cheerleadern am Rande: Alle wollen, dass der Gegner erlegt wird, ausgeschlachtet, auch wenn da manche Rituale nicht mehr sooo blutig sind ...
In den Betriebshierarchien wird viel vom Team geredet, aber wenig tatsächlich gelebt: Es geht um Leiten und Ziele setzen, Ziele erreichen, aber wenig um tatsächlich langfristige Zusammenarbeiten, freie Vereinbarungen. Glücklich, wer ein gutes Kollegium auf längere Zeit genießen kann!

Wie die gutmütige Hummel des Open Space zur Wespe wurde
In einem Open Space zur Entwicklung der Gemeinsinn-Werkstatt gab es einmal so nette liebevoll Moderierende, dass es mir zu viel wurde: Vor lauter gemachter Freundlichkeit wurde alles so nett, dass ein irreales Gefühl aufkam, in einer besseren Welt zu sitzen und das da draußen nicht mehr bearbeiten zu können. So kam der Wunsch nach einer Wespe auf, die auch mal den Stachel zeigen kann, um sich zu wehren, statt nur hummelig die Pollen von Blüte zu Blüte zu tragen. Eine Kollegin malte sie auch gleich als hervorragendes Plakat, und mir sind die Wespen in guter Erinnerung, im Open Space auch mit energischeren Impulsen zu moderieren, wenn nötig.

Die Mutation der Wespe zur Hornisse: Lust auf Power?
Verwundert war ich, wie die Wespe nun im zeitlichen Abstand zur Hornisse mutierte: Grösser geworden, bedrohlicher, befremdlicher, seltener, aber immerhin schützenswert ... Die Gefahr ist allerdings wirklich groß, wenn sie sich bedroht fühlt, und mein bäuerlicher Onkel meinte, drei Hornissen könnten ein Pferd töten ... Wespen sind da lächerlich dagegen.
Was ist die Lust an so großer Kraft, an so gefährlichem Einsatz? Oder sind es nur die Scheinriesen wie bei Jim Knopf, die im größeren Abstand immer noch größer werden. Dann sollten wir mal auf sie zugehen, bis sie Normalmaß bekommen.

Vom Care zur Macht: Ehrenamts-Schmiere für den Kapitalismus
Im Care hat sich die gute alte Fürsorge versteckt, die so oft übergriffig die Dinge der Machtlosen regelt, und dabei ein Caritas-Mäntelchen der guten Taten trägt. Die Politiker haben auch seit Jahren die Ehrenämter als Spar- und Beschäftigungsmodell entdeckt, und ganz schnell verteufelt wird, wer aus der Arbeit am Gemeinsamen dann auch Beteiligungsrechte ableiten will.
Das könnte auch eine unserer Entwicklungsbremsen gewesen sein: Wie gut kommen wir an die alten Netzwerke der Macht und wie können wir eine offenere Beteiligung und entsprechende Rechte für die Aktiven sichern? Sind die alten Netzwerke unsere Auftraggebenden, dann sinken damit die Auftragschancen, sind es die Neuen, kommen sie an den Kern?

Gemeinsinn zur Bürgerorganisation befreien?
Bei Saul Alinski, Obama und KollegInnen können wir sehen, wie immer wieder ein Anlauf gelingen kann, bringt er nur genug Ärger, Hoffnung und Veränderungswillen auf den Punkt.
Bei uns erlebe ich immer noch ein stilles Staunen über den Wahlausgang, den geistigen Untergang der SPD und die Kriegsbeteiligung der Grünen, die jetzt von den Reaktionären mit Öko-Sprüchen überholt werden.

so, müde, Pause. Weitere Gliederungspunkte, Fertigstellung nur gegen Honorar.

Stadtteilarbeit und Fürsorge im Widerspruch
Parteien, Politiker und Selbstorganisation
Interessen, Macht und Zukunftsfähigkeit

Schwarm-Intelligenz und soziale Bewegungen
Rudel-Verhalten in Firmen und Parteien
Selbstsorge und gemeinsame Interessen

Soziales Wirken von Firmen
Fortbildung in community und SINN
Spur- und Seitenwechsel: Lernfelder

Co-Working und neue gemeinsame Selbständigkeit
Barcamp, Juniorfirma und gemeinschaftliche Lernfelder
Transfair: Langfristige gemeinschaftliche Lernstrukturen

Die bevorstehenden Rettungen werden unser Denken chaotisieren
Kapitalismuswirkungen und Zukunftsangst: Altersvorsorge?
Der Mensch als neoliberale Unternehmerfigur – in Gesellschaft?

Romantische und moderne / postmoderne Gesellschaftsbilder
Konstruktion neuer Weltrettungsszenarios
Gemütlich alt werden können als Qualität

Each man kills the things, that he loves ... singt die Wirtin in Faßbinders Filmfassung von Querelle
Some love too little, some too long,
Some sell, and others buy;
Some do the deed with many tears,
And some without a sigh:
For each man kills the thing he loves,
Yet each man does not die.
http://www.poetry-online.org/wilde_the_ballad_of_reading_goal.htm

fritz letsch theater gestalt pädagogik moderation: sozialwissenschaft rudel oder schwarm fritz@joker-netz.de, http://www.fritz-letsch.de 1 Seiten